Knochenmarkspende

TL;NR: Registriert euch bei der DKMS! Es ist einfach und sinnvoll.

Heute ist der 23. Oktober. Eigentlich hätte ich Heute was wichtiges vorgehabt. Das konnte leider doch nicht stattfinden, aber gut ist es trotzdem. Aber ich fang mal vorne an…

Vor einigen Jahren hat mein Arbeitgeber eine Aktion veranstaltet in deren Rahmen man sich bei der DKMS — die hiessen bis 2016 Deutsche Knochenmarkspenderdatei — registrieren lassen konnte. Das war total einfach: mit einem Wattestäbchen in der Mundschleimhaut rumkratzen, ein Formular ausfüllen, fertig. Nicht zuletzt weil in meinem Umfeld auch schon Leute an Leukämie (sprich: Blutkrebs) gestorben sind habe ich da teilgenommen. Und die Teilnahme wieder vergessen.

Vor zwei Monaten bekam ich einen Anruf. Eine freundliche Frage einer Mitarbeiterin der DKMS, ob ich denn noch zu einer Spende bereit wäre. Es gäbe einen Patienten mit kompatiblen Gewebemerkmalen, der würde sich über eine Spende freuen.

Ich habe mal einen Satz gehört der seinerzeit John Wayne zugeschrieben wurde: „Du sollst den Revolver nicht ziehen wenn Du nicht bereit bist ihn zu benutzen.“ Offenbar stimmt die Zuordnung nicht… sachdienliche Hinweise dazu nehme ich gerne an. Der Punkt ist: ich war mir klar was eine Registrierung bedeutet, dann noch einen Rückzieher zu machen wäre feige. Und unverantwortlich im Angesicht der Tatsache dass tatsächlich ein Patient auf eine Spende wartet.

Also ja.

Nach einem ausgiebigen Vorgespräch habe ich per Post ein Blutentnahmekit bekommen mit dem ich beim Hausarzt vorstellig geworden bin. Mit dem Blut wurde eine Bestätigungstypisierung vorgenommen, die hat dann nach einer oder zwei Wochen auch ergeben dass ich ein kompatibler Spender sein könnte.

Angenehmer Nebeneffekt für mich: an der Stelle wurde das Blut schon auf einige Werte kontrolliert die man auch beim großen Blutbild nicht bekommt. So konnte ich mir zum Beispiel sicher sein dass ich weder Hepatitis noch HIV in mir trage. Da hatte ich eigentlich keine Befürchtungen, aber so habe ich die Gewissheit.

Nächste Station war dann eine Transplantationsklinik Entnahmeklinik in Köln. Da war die Entnahme geplant, und die haben eine sehr gründliche Voruntersuchung gemacht. So bin ich vorher noch nicht auf den Kopf gestellt worden. Vor Ort sah alles gut aus, also wurde der Entnahmetermin festgelegt.

Geplant war eine periphere Blutstammzellspende. Im Gegensatz zu einer Knochenmarkspende bei der tatsächlich der Beckenknochen punktiert worden wäre bedeutet das, dass die Spende so ähnlich läuft wie eine Dialyse. Ich würde an eine Maschine angeschlossen die Blut aus dem Körper entnimmt, Stammzellen auswäscht und das gewaschene Blut wieder zurück gibt. Dieser Vorgang dauert in der Regel drei bis fünf Stunden wurde mir gesagt.

Das hätte Heute stattfinden sollen.

In Vorbereitung hätte ich mir fünf Tage lang ein Mittel injizieren müssen das dafür sorgt dass Stammzellen im Blut angereichert würden. Alles notwendige habe ich direkt mit nach Hause bekommen.

Ein wirklicher Knackpunkt war die Beschreibung dessen was in Vorbereitung mit dem Empfänger passieren würde. Ab einem bestimmten Zeitpunkt würde sein Immunsystem und sein blutbildendes System komplett ausser Funktion gesetzt. Danach wäre der Patient ohne die Spende nicht mehr lebensfähig. Wenn ich dann also noch abspringen würde — indem ich einen Rückzieher mache oder durch höhere Gewalt — wäre der Ausgang fatal. Ich bin Familienvater und ich nehme regelmäßig am Straßenverkehr teil. Aber ich wüsste nicht wann ich mal einer derartigen Verantwortung ausgesetzt gewesen wäre.

Das alles klingt nicht angenehm, aber ich war wild entschlossen das machen zu lassen. Und immerhin ist diese Variante eine komplett ambulante Geschichte, ohne Vollnarkose.

Das Gefühl sich dafür tatsächlich zur Verfügung zu stellen ist unbeschreiblich. Es geht immerhin darum ein Leben zu retten. Ich bewundere Ärzte, Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte für ihre Arbeit. Hier könnte ich wirklich an einer Rettung teilnehmen. Das ist es auf jeden Fall wert.

Über den Empfänger der Spende weiss ich nichts. Das sollte mir nach der Entnahme in groben Zügen mitgeteilt werden. Alter, Geschlecht, Nationalität. Mehr hätte ich vielleicht nach einer längeren Wartezeit erfahren dürfen.

Wendepunkt

Dazu ist es jetzt leider doch nicht gekommen. In einer intensiven Untersuchung wurde doch noch was in meinem Blut gefunden was die Spende verhindert hat. Nichts wirklich dramatisches, aber als Spender konnte ich nicht zugelassen werden.

Schade.

Ich habe mich informiert: es kamen noch zwei andere Spender in Frage, der Patient geht also hoffentlich nicht leer aus. Ich drücke ihm — unbekannterweise — die Daumen und wünsche ihm eine gute Genesung.

Was habe ich davon?

Auch wenn es jetzt nicht dazu gekommen ist dass ich Spenden darf: es ist doch ein deutlich positives Ergebnis für mich dabei rumgekommen.

Ich habe offenbar ein Merkmal in meinem Blut das mich als Spender ausschliesst. Ein Merkmal das in Standard-Tests nicht auffällt. Das wurde mittlerweile auch vom Hausarzt bestätigt, und es wurde eine Behandlung eingeleitet. Unerkannt würde das auf lange Sicht fiese Folgen haben, da ich es jetzt weiss kann ich aber Gegenmaßnahmen einleiten.

Dass ich dieses Merkmal habe ist bedauerlich, aber ich muss nochmal betonen dass ich nur durch die DKMS darauf aufmerksam geworden bin. Trotz des eigentlich enttäuschenden Ausgangs der Geschichte kann ich also jedem eindringlich raten: registriert Euch als Knochenmarkspender! Ihr bekommt vielleicht die Möglichkeit an der Rettung eines Menschenlebens beteiligt zu werden. Und selbst wenn nicht: Nachteile sehe ich in einer Registrierung keine.

(Vorausgesetzt natürlich dass Ihr bereit seid den Revolver aus dem Zitat oben wirklich zu benutzen. Es gibt eine Menge Gründe die einen von der Spende abhalten können. Das ist verständlich und muss respektiert werden, klar. Das sollte man sich auf jeden Fall vor einer Registrierung bewusst machen.)

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