Musikboxen

Musikboxen

Nur mal kurz, da ich gefragt wurde: ich habe zu Weihnachten eine Art MP3-Player für die Kinderzimmer gebastelt. Ist gut angekommen. :-)

Bislang standen da CD-Player. So rosa Plastikbomber aus der Spielzeugabteilung. Die haben aber in diesem Jahr das Zeitliche gesegnet, also musste ein Ersatz her. Erst gab es einen kleinen MP3-Player — so ein Jackentaschen-Ding — und Aktivboxen. Der Player liess zu wünschen übrig, und akkubetriebene Geräte sind für den stationären Einsatz eh untauglich.

Da sollten Geräte hin die anständig bedienbar sind, Musik mindestens vom Stick abspielen können. Besser vom Server. Vielleicht auch Internet-Stream-tauglich, aber das ist erstmal kein Muss.

Wenn man sich in den Läden — online oder offline — umsieht findet man da irgendwie keine Lösung. Vielleicht im High End Bereich, aber wie lange ein Gerät für mehrere hundert Euro im Kinderzimmer überlebt will ich mir nicht mal ausmalen.

Also selbst bauen.

LibreELEC ist eine erstklassige Kodi-Distribution, die habe ich schon auf mehreren anderen Geräten im Einsatz. Optimal läuft sie auf einem Raspberry. Also habe ich zwei Raspberry 3 B+ besorgt, und zwei 7″ Touch-Displays. Dazu ein rudimentäres Gehäuse ausgelasert. Fertig. :-)

Erstmal laufen die so gut, in Kombination mit kleinen Aktivboxen. Ein paar Pläne haben wir aber schon in der Schublade. So ist auch ein Einsatz als Wecker geplant, oder der Bau eines anständigen Gehäuses. Vielleicht sogar mit integrierten Boxen, als Boom-Box…

Ich zitiere mich mal eben selbst:

Wie können die als Technik-Anbieter es auch nur wagen, sich am Inhalt der Stücke zu vergreifen? Und wie können die Rechteinhaber das zulassen?!?

Das habe ich vor mehr als sieben Jahren geschrieben, und es gilt immer noch. Gerade lese ich einen Artikel in der Zeit, und mir kocht schon wieder die Galle über. Offenbar erdreistet sich Apple, die Inhalte von gekauften Musikstücken zu zensieren:

Doch irgendwie war »Make Some Noise« von den Beastie Boys, einer New Yorker Hip-Hop-Band, nicht mehr das, was es einmal war. Er hörte genauer hin – und stellte fest: Der Text war gesäubert worden. »We gonna party for the motherfucking right to fight«, heißt es bei den Beastie Boys, aber nun fehlte plötzlich das Wort motherfucking, es war durch ein lautes Kratzgeräusch unhörbar gemacht worden. Ebenso, in einer anderen Zeile, der Vulgärausdruck bitching.

Wohlgemerkt: es ist nicht so wie die übliche Zensur durch den Laden. Apps für die iGeräte durchlaufen auch eine Zensur, und wenn da beispielsweise in einer Sportzeitschrift oder einem Gemälde zu viel Haut zu sehen ist nehmen die den Kram einfach aus dem Store. Hier werden aber wirklich die Inhalte der Stücke verändert!

Ich finde das wirklich unglaublich. Zumal irgendeine komische ‚Dienstleistung‘ bei denen offenbar auch ungefragt Musikstücke überschreibt die man aus anderer Quelle hat.

Technik mögen die drauf haben. Meinetwegen auch User-Interfaces und Design. Aber aus politischen Gründen würden mich keine zehn Pferde dazu bewegen, deren Produkte privat zu kaufen. :evil:

Player und Organspenderin

Player und Organspenderin

Naja, klein ist relativ. Wenn man den Archos Jukebox Recorder neben einen seiner modernen Artgenossen hält ist er schon ziemlich klobig. Auch in Sachen Gewicht kann er nicht mit anderen Festplatten-Playern mithalten. Aber das hat gute Gründe: Unter dem rustikalen (um das Wort ‚billig‘ zu vermeiden) Äußeren steckt solide Technik, wie sie auch in vielen anderen Geräten zu finden ist. Zumindest gilt das für die beiden Herzstücke des Festplatten-MP3-Players, die erfahrungsgemäß auch die ersten sind die den Geist aufgeben: Die Akkus und die Festplatte.

In der größten Ausbaustufe des Players steckt eine handelsübliche 2,5″-Platte mit 20GB Kapazität. Mehr wurde von Archos nicht verbaut, aber Bastler haben herausgefunden daß das Gerät auch mit größeren Platten klar kommt.

Dies mein vierter MP3-Player. Die ersten beiden — ebenfalls Archos Jukebox Recorder mit 20GB — wurden leider geklaut, der dritte — ein Trekstor i.Beat 500 — war in mehrfacher Hinsicht eine schwere Enttäuschung. Aber durch die Erfahrungen weiß ich, daß auch 20GB nicht unendlich viel Platz sind. Ich habe meine Musiksammlung in das MP3-Format umgewandelt, die läßt sich auf 20GB nicht unterbringen. Und da ich auch öfter andere große Dateien wie Images von Linux-Distributionen mit mir rumtrage bietet sich ein Umbau an.
Beschaffung

Das Opfer und die Organspenderin habe ich ersteigert. Den Player für etwa 125 Euro, die Platte samt externem Gehäuse für knapp 80 Euro.

Bei dem Player habe ich wert darauf gelegt, daß er eine USB-2.0-Schnittstelle hat. Das ist bei den kleineren Modellen nicht immer gegeben. Und ich habe mich gefreut daß ich ein Gerät bekommen konnte, das statt der alten leuchtend blauen schwarze Gummi-Ecken hat. So wirkt es wenigstens nicht ganz wie aus dem Kaugummi-Automaten… :-)

Bei der Platte habe ich darauf geachtet, eine Version zu bekommen die mit 4.200 Umdrehungen arbeitet. Ich bin mir nicht sicher ob das stimmt, aber ich rede mir ein daß das zum einen leiser und zum anderen Stromsparender sein dürfte. Natürlich hätte es auch eine Platte ohne externes Gehäuse getan, aber dann würde die 20GB-Platte aus dem Player hier ungenutzt rumliegen. So kann ich sie nach dem Umbau in das Gehäuse packen und habe für insgesamt etwas über 200 Euro nicht nur einen MP3-Player mit geradezu unendlicher Kapazität, sondern als Dreingabe noch eine kompakte 20GB-Platte für den Fall daß der USB-Stick zu klein wird.

Stück für Stück…

Waidmännisch zerlegt

Waidmännisch zerlegt

Der Umbau gestaltet sich nicht sehr kompliziert. Wie in den Bildern zu sehen ist, ist alles ganz einfach zusammengebaut. Zunächst werden die Akkus entfernt. Das geht ohne Werkzeug.

Dann werden an der Ober- und an der Unterseite des Gehäuses vier sehr kleine Schrauben gelöst, woraufhin sich die Frontplatte abnehmen läßt.

Dann kommt der unangenehmste Teil: Ich habe nicht herausgefunden, wie ich die Gummiecken abbauen kann, ohne an der Unterschale des Gehäuses rumzubiegen. Aber das Blech ist weich, wenn man vorsichtig vorgeht läßt sich alles wieder in die alte Position biegen nachdem man auch die Schale abgenommen hat.

Auf der Unterseite des Players erkennt man ein solides Blech, das mit Doppelseitigem Klebeband auf der Festplatte befestigt ist. Ich bin mir nicht sicher welchen Zweck das erfüllt, aber ich habe es sicherheitshalber mit sanfter Gewalt abgerissen und an die neue Platte wieder angeklebt.

Die Platte selber läßt sich einfach anheben und aus dem Steckverbinder ziehen. Weitere Befestigungen gibt es nicht. Zwischen der Platte und der Elektronik des Players liegt eine gelbliche Plastikfolie, die sollte natürlich an Ort und Stelle bleiben.

Der Zusammenbau gestaltet sich genauso, allerdings natürlich in umgekehrter Reihenfolge. Das unangenehmste ist wieder der Einbau der Gummiecken.

Zu guter letzt…

Es lebt!

Es lebt!

Jetzt bietet sich noch etwas Akku-Tuning an. 2400mAh laufen bedeutend länger als die alten 1500mAh-Akkus. Das reicht zwar immer noch nicht aus um den Inhalt der Festplatte einmal komplett durchzuhören, aber das würde sich schon allein für den Zuhörer zu einer Probe entwickeln: Grob geschätzt könnte ich jetzt theoretisch Musik für sechs bis acht Wochen (ohne Wiederholungen!) auf dem Player unterbringen…

Als krönenden Abschluß bekommt der kleine noch die aktuelle Version von Rockbox verpaßt. Das ist eine freie Firmware, die unter anderem auf den Archos Jukeboxen lauffähig ist. Sie bietet alle Funktionen der originalen Software, darüber hinaus aber eine ellenlange Liste weiterer Funktionen. Und wenn doch mal was fehlen sollte kann man sich vertrauensvoll an die Entwickler wenden. Falls die Hardware weitere Funktionen ermöglichen würde, würden die es wahrscheinlich auch unterstützen. Man merkt deutlich, daß Rockbox tatsächlich von den Leuten entwickelt wird, die es auch benutzen.

EDIT, November 2015: Dieser Text ist nicht wirklich 2005 im Blog gewesen. Er stammt aus dem alten CMS und wurde hier nachgetragen.