Rezension: Praxiswissen Typo3

Cover

Robert Meyer

Das Buch im O'Reilly Katalog
1. Auflage April 2005
ISBN 3-89721-394-X
426 Seiten
EUR 28,00

Inhalt

Typo3 ist ein Content Management System (CMS), das zwar frei entwickelt und unter der GPL lizensiert ist, andererseits aber der Bezeichnung Enterprise Class gerecht wird. Durch den flexibel erweiterbaren Aufbau des Systems und viele unterstützende Agenturen ist das System einerseits für den professionellen Einsatz prädestiniert. Durch den Entfall der Lizenzkosten ist es aber auch die ideale Spielwiese für den interessierten Privatanwender, der sich einen Einblick in die Arbeitsweise mit einem großen Web-CMS verschaffen will.

Das vorliegende Buch versucht, bei der Einarbeitung in das System zu unterstützen. Bewußt richtet es sich dabei nicht an die Redakteure die später Inhalte für die Seiten verfassen, sondern an diejenigen die mit der technischen Umsetzung betraut sind. Für den redaktionellen Teil wird auf entsprechende Literatur auf der Typo3-Projektseite verwiesen. Der Leser dieses Buches sollte auf jeden Fall über solide Kenntnisse in HTML verfügen, für die Entwicklung eigener Erweiterungen sind auch Kenntnisse in der Programmiersprache PHP von Vorteil.

Im Einzelnen wird auf die folgenden Themen eingegangen:

  • Einführung
    Hier wird die Arbeitsweise mit dem Buch vorgestellt und auf weiterführende Quellen im Netz verwiesen.
  • Typo3 installieren
    Dieses Kapitel erläutert die Anforderungen, die Typo3 an Hard- und Software stellt, und zeigt wie die Installation unter Linux und unter Windows funktioniert.
  • Das Backend kennen lernen
    Ein erster Rundgang durch die Schaltzentrale für den Administrator und die Redaktion. Hier wird einiges an Vokabular geklärt, und gezeigt wie man zu einer deutschsprachigen Backend-Oberfläche kommt.
  • Das Praxisbeispiel vorbereiten
    Dieses und die folgenden Kapitel zeigen anhand eines umfangreichen Praxisbeispiels die Vorgehensweise bei der Umsetzung eines größeren Projektes. Hier wird beschrieben was die zu erstellende Seite leisten soll, wie eine einfache Designvorlage erstellt und wie die Struktur der Seite (Navigationsbaum) angelegt wird.
  • TypoScript in der Praxis
    Typo3 verwendet eine eigene Sprache für die Konfiguration, TypoScript. Trotz des Namens handelt es sich nicht um eine wirkliche Skriptsprache, daher ist auch für PHP-Skripter eine Einführung in dieses Thema unerläßlich. Neben der Behandlung von Objekten und deren Eigenschaften gibt es hier einen Überblick darüber, wie TypoScript mit den Designvorlagen der Seite zusammenarbeitet. Alles in allem dürfte dies also eines der wichtigsten Kapitel des Buches sein, was auch am Umfang von 40 Seiten ersichtlich ist.
  • Grafiken in TypoScript erstellen
    Typo3 verfügt über umfangreiche Funktionen zum Generieren und bearbeiten von Grafiken. So kann nicht nur die Größe von eingebundenen Grafiken angepaßt werden, sondern auch komplette Bilder mitsamt beschreibenden Texten für Überschriften und Menüs gerendert werden. Dieses Kapitel ist den dazu benötigten Funktionen gewidmet.
  • Menüs erstellen
    Eine der grundlegenden Aufgaben eines CMS ist die Darstellung einer Navigation durch die Inhalte einer Seite. Typo3 kann vielfältige Menüs darstellen, sowohl in Text- als auch in Grafikform. Auch Darstellungen wie Klickpfade werden als Menü generiert. Zu allen Darstellungsformen sind hier praxisnahe Beispiele enthalten.
  • Inhalte ausgeben
    Eines der stärksten Merkmale für ein professionelles CMS ist die Flexibilität bei der Definition und der Wiedergabe der Inhalte. Und gerade auf diesem Gebiet sticht Typo3 stark aus dem Feld der konkurrierenden freien Systeme heraus. Dementsprechend wird diesem Thema hier auch auf 50 Seiten der größte Platz eingeräumt, in dem auch beschrieben wird wie man auf niedrigem Level in die Wiedergabe eingreifen und sie den eigenen Vorstellungen anpassen kann.
  • Erweiterte Darstellung von Inhalten
    Dieses Kapitel beschäftigt sich mit besonderen Formen der Ausgabe, beispielsweise nach Bedingungen oder in mehrsprachiger Ausführung. Außerdem wird beschrieben, wie ein geschützter Bereich eingerichtet werden kann, für dessen Anzeige eine Benutzerkennung erforderlich ist.
  • Bestehende Erweiterungen integrieren
    Ein besonderes Merkmal von Typo3 ist der vollständig modulare Aufbau. So sind viele Teile des Grundsystems als Modul ausgelegt und somit selektiv auszuschalten oder zu ersetzen. Zusätzlich gibt es einen reichhaltigen Fundus über den das Basis-System mit Funktionen wie Gästebüchern, Diskussionsbereichen oder Bildergalerien aufgewertet werden kann. Der Umgang mit Erweiterungen wird in diesem Kapitel an den Beispielen des sehr leistungsfähigen News-Moduls, einer erweiterten Suchfunktion und einem Statistikmodul demonstriert.
  • Eine eigene Erweiterung schreiben
    Anhand einer einfachen Aufgabenstellung wird hier gezeigt, wie Typo3 mit eigenen Entwicklungen erweitert wird. Schritt für Schritt wird die Vorgehensweise erklärt, so daß der gesamte Prozeß verständlich wird.
  • Benutzerrechte für Redakteure anlegen
    Natürlich ist es in Typo3 auch vorgesehen, mit mehreren Redakteuren an einer Seite zu arbeiten. Nicht jeder Redakteur darf die komplette Seite bearbeiten, auch sollen meist nicht alle Funktionen im Backend für jeden zur Verfügung stehen. In diesem Kapitel wird gezeigt wie Benutzer angelegt und deren Rechte konfiguriert werden.
  • Tipps und Tricks
    Hier erfährt der Leser einige nützliche Informationen die in den anderen Kapiteln nicht unterzubringen waren. Darunter wie man sprechende URLs benutzt, eine neue Typo3-Version installiert, Backups seiner Seiten anlegt und vergessene Paßwörter wieder herstellt.
  • Anhang
    Weiterhin gibt einen Anhang mit einer sehr nützlichen Kurzreferenz zu TypoScript.

Fazit

Hätte ich dieses Buch zwei Jahre eher in den Händen gehabt, hätte es mit sicher sehr beim Aufbau der Schatenseite geholfen. Es ist sehr praxisorientiert geschrieben, beinahe alle der beschriebenen Techniken sind beim Aufbau einer Präsenz füher oder später einzusetzen. Und das ziemlich genau in der Reihenfolge in der sie im Buch besprochen werden, der angehende Typo3-Administrator kann das Werk also getrost von Anfang bis Ende durcharbeiten um seinen Einstieg zu finden. Der Inhalt bezieht sich auf die Version 3.8.0, Unterschiede zu Version 3.7.0 werden bei Bedarf erläutert.

Sehr praktisch ist die mitgelieferte Referenzkarte, die nicht nur als Lesezeichen sondern auch als 'Spickzettel' am Arbeitsplatz gute Dienste leistet.

Die beiliegende CD enthält alle Codebeispiele, sowie Installationspakete mit denen Typo3 bei Bedarf auch auf Windows installiert werden kann. Außerdem finden sich einige Video-Dokumentationen.

Schade finde ich, daß das Buch den Leser nicht allzu sehr dazu ermuntert, seine Seiten mit modernen Techniken wie XHTML und CSS zu erstellen. Zugegeben, das ist in Typo3 nicht gerade einfach, einige wünschenswerte Details sind ohne tiefe Eingriffe in das System praktisch nicht umsetzbar. Trotzdem ist es nicht mehr zeitgemäß, das Design der Seiten über Tabellen zu erstellen. Natürlich ist es auf die Weise auch sinnvoll, separate Seitenvorlagen für Druckversionen zu erstellen.

Trotz dieses Dämpfers: Alles in allem ein sehr empfehlenswertes und wie ich finde gut geschriebenes Buch.

Probekapitel im PDF-Format